Erich Loest

Schriftsteller

Kurzbiographie

Erich Loest wurde 1926 in Mittweida (Sachsen) geboren. Seine Eltern hatten eine Eisenwarenhandlung gepachtet. Er war Oberschüler und Jungvolkführer, 1944 wurde er Soldat und kam noch in den letzten Kriegswochen an die Front. Nach kurzer US-amerikanischer Gefangenschaft kehrte er heim, war Landarbeiter und Hilfsarbeiter, bis er 1947 als Volontär bei der "Leipziger Volkszeitung" begann. Er trat der SED bei, wurde Redakteur und schrieb nebenher Erzählungen und einen Roman, der 1950 erschien: "Jungen, die übrig blieben". Wegen dieses Buches warf ihm die SED Standpunktlosigkeit vor; die "Leipziger Volkszeitung" entließ ihn.

Von da an arbeitete Loest als freiberuflicher Schriftsteller, seine Kollegen wählten ihn zum Vorsitzenden im Bezirk Leipzig. Scharfe Kritik Loest´s an der SED-Politik nach dem 17.Juni 1953 führte zu Spannungen, die sich 1956 nach dem XX.Parteitag der KPDSU noch verstärkten.

Mit anderen Intellektuellen trat er für die Demokratisierung ein, deshalb verurteilte ihn ein Gericht wegen "Konterrevolutionärer Gruppenbildung" zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus. Er verbüßte diese Strafe - er hatte das Urteil nicht angenommen - in Bautzen. Das letzte halbe Jahr wurde ihm auf Grund einer Amnestie erlassen.

Loest kehrte nach Leipzig zurück, lange Zeit war er krank. Zunächst schrieb er Kriminalromane unter einem Pseudonym. Nach und nach fand er zu zeitkritisch engagierten Themen zurück. Damit entstanden neue Schwierigkeiten, besonders nach der Veröffentlichung des Romans "Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene". Weitere Auflagen wurden untersagt, nach Protesten konnte dann doch noch eine limitierte Ausgabe erscheinen. Mit anderen Schriftstellern trat Loest 1979 in einem Brief an den Staatsratsvorsitzenden Honecker für von Zensur und Strafmaßnahmen verfolgte Kollegen ein - kurz vor dem Ausschluß aus dem Schriftstellerverband trat er aus. Entgegen der Zensurgesetze der DDR veröffentlichte er 1979 einen Erzählungsband in der Bundesrepublik, "Pistolen mit sechzehn". Damit war seine Position in der DDR unhaltbar geworden.

 1981 verließ er die DDR. Er schrieb eine Biographie: "Durch die Erde ein Riß", und die Romane "Völkerschlachtdenkmal", "Zwiebelmuster" und "Froschkonzert". Die Probleme des geteilten Deutschland blieben die Themen vieler seiner Radio- und Pressebeiträge.

1989 gründete Loest mit seiner Schwiegertochter Elke und seinem Sohn Thomas den Linden-Verlag Künzelsau, in dem der Roman "Fallhöhe" und der Erzählungsband "Bauchschüsse" erschienen. "Der Zorn des Schafes", biopgraphische Aufzeichnungen, konnte durch eine Fülle von Stasimaterial ergänzt werden - Loest war jahrelang ausgeforscht worden. Seit 1990 bringt der Linden-Verlag Leipzig die in der DDR verbotenen Bücher Loests in seine Heimat zurück. In den Nachwenderoman "Katerfrühstück" flossen Erfahrungen aus Ost und West ein.

In "Nikolaikirche" wird die Kerzenrevolution vom Herbst 1989 zum Romanthema, daneben entsteht ein gleichnamiger zweiteiliger Fernsehfilm. Seit 1994 ist Loest Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller. Er lebt in Leipzig und Bad Godesberg.
Neben seinen Auszeichnungen wurde er 1996 Ehrenbürger der Stadt Leipzig.