#SELFIE_LEIPZIG Das Kunstkraftwerk Leipzig rückt das digitale Ich ins Licht

(Leipzig, 16. Januar 2017) Als Phänomen der Netz- und Popkultur sind Selfies aus dem zeitgenössischen Wortschatz und Lebensalltag nicht mehr wegzudenken. Der Trend zum digitalen Selbstportrait bleibt ungebrochen, allein auf Instagram finden sich unter dem Hashtag #Selfie knapp 60 Millionen Fotos. Täglich, so heißt es, werden weltweit 1 Million Selfies gemacht.

Die digitale Selbstbespiegelung hat natürlich längst Eingang gefunden in die Debatten von Psychologen, Philosophen und Künstlern. Ab 21. Januar erobert das Selfie nun als öffentliches Kunsterlebnis unter dem Titel #SELFIE_LEIPZIG das Kunstkraftwerk Leipzig. Die Ausstellung der spanischen Künstlerin Darya von Berner wird eigens für die ehemalige Maschinenhalle des Kunstzentrums im Leipziger Westen produziert und versteht sich als eine Perspektive auf Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Selbstkultur.

„Bei einem Selfie geht es darum, die Erfahrungen eines Lebens zu teilen und auch zu entscheiden, wie man repräsentiert und was darzustellen ist. Es geht darum, die Kontrolle darüber zu übernehmen, wie man unter verschiedenen Umständen fotografiert wird, aber auch um die gemeinsame Nutzung und Verbreitung dieser Porträts durch die sozialen Netzwerke. #SELFIE_LEIPZIG soll anregen, Fragen der Repräsentation, des narrativen Selbst und der Identität im Zeitalter der sozialen Medien und der allgegenwärtigen Technologie zur Bilderzeugung zu erforschen“, sagt Kuratorin Stèphanie Delcroix zum Anliegen der Ausstellung.

In der Installation #SELFIE_LEIPZIG verschmilzt die aktuelle Besessenheit zur Selbstdarstellung, die im antiken Narziss-Mythos begründet liegt, mit der Faszination des Westens für Industrierelikte. Von Berner arbeitet mit Licht, Bildvermittlung und Architekturmerkmalen, um eine Inszenierung zu erschaffen, die das Zusammenspiel zweier Protagonisten einbezieht: das Kunstkraftwerk selbst und seine Besucher, die beim Eintritt in die Halle von Lichtkegeln erfasst werden. Ihre Abbildungen werden dann an die Hallenwände projiziert. Mit Leuchtbändern zeichnet sie außerdem die baulichen Strukturen der Maschinenhalle nach und erzeugt so eine faszinierende Symbiose von Industriearchitektur und Kunst.

Darya von Berner versteht ihre Installation - wie alle ihre Arbeiten, egal ob Gemälde, Skulptur oder Opernaufführung - als „Athmosphere“. Mit dieser künstlerischen Ausdrucksform und Konzeption sucht sie ein Erlebnis zu schaffen, in das man eintauchen kann, um sich der Verbundenheit aller bewusst zu werden.
Die Lichtinstallation wird im Rahmen der Vernissage und am Eröffnungstag untermalt von Auszügen aus der Oper „Der Kaiser von Atlantis, oder die Tod-Verweigerung“, die der jüdische Komponist Viktor Ullmann (1898-1944) 1943 im KZ Theresienstadt schuf. Die jeweils 15-minütigen Aufführungen werden von dem französischen Bariton Boris Grappe und dem stellvertretenden Chordirektor der Oper Leipzig Alexander Stessin gestaltet.

#SELFIE_LEIPZIG wurde in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zeitgenössische Kreation Matadero Madrid entwickelt und ist ab dem 21. Januar 2017 zu sehen. Kuratorinnen: Stèphanie Delcroix und Carlota Àlvarez Basso.

Darya von Berner

Die 1959 in Mexiko geborene Darya von Berner studierte an der School of Visual Arts in New York unter Milton Glaser. Seit 1984 erhielt sie verschiedene Preise und Stipendien, die zu einem längeren Aufenthalt in Paris führten, gefolgt von einem Stipendium an der Spanischen Akademie der Bildenden Künste in Rom. Seit 1991 hat sie ausgiebig in Galerien in Europa und Amerika ausgestellt und nahm regelmäßig an Kunstmessen wie Art Basel, Arco und Art Cologne teil. Von Berners Kunst hat sich aus der Naturmalerei und dem Realismus in den 80er Jahren zu Videoaufnahmen für das Worldwide Video Festival im Stedelijk Museum in Amsterdam entwickelt. Darya von Berners Werk zeugt von einer einzigartigen, schöpferischen Persönlichkeit, welche für eine kontinuierliche Weiterentwicklung und um eine stete Neuentdeckung künstlerischer Ausdruckskraft bemüht ist. Sie lebt und arbeitet in Madrid.
www.daryavonberner.net

Boris Grappe

Der französische Bariton Boris Grappe erhielt seine Gesangausbildung in Lyon bei Margreet Honig und an der Wiener Hochschule für Musik bei Ralf Döring und Walter Moore. 2007–2011 war er Ensemblemitglied des Nationaltheaters Mannheim. Gastengagements führten ihn u. a. ans Teatro San Carlo Neapel, ans Théâtre de la Monnaie, ans Pariser Théâtre du Châtelet, an die Pariser Opéra-Comique, an die Opéra de Nice, die Opéra de Rouen, die Oper Leipzig, die Oper Frankfurt, ans Stadttheater Klagenfurt, ans Théâtre du Capitole in Toulouse, ans Kilden Theater in Kristiansand (Norwegen), an die Opéra de Lausanne sowie zu den Festspielen nach Aix-en- Provence, Szeged und Pesaro, zur Ruhrtriennale, zur Münchner Biennale und zum Festival »operklosterneuburg«.
www.borisgrappe.book.fr

Alexander Stessin

Alexander Stessin wurde in Moskau geboren und studierte dort zunächst Klavier, Komposition und Musikwissenschaft. Ab 1990 folgte Orchesterdirigieren-Studium bei Mendi Rodan in Jerusalem und am Salzburger Mozarteum, wo er auch Chorleitung bei Walter Hagen-Groll studierte. Am Mozarteum dirigerte er seine ersten Mozartopern, hatte einen Lehrauftrag an der Opernklasse und ging 1999 nach seiner ersten eigenen Operneinstudierung zunächst als Solorepetitor an die Opernhäuser in Kiel, Hagen und Darmstadt. 2009 bis 2012 war er 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD am Theater Nordhausen. Seit 2012 ist Alexander Stessin stellvertretender Chordirektor an der Oper Leipzig . Seit 2015 ist er Dozent fürs Orchesterdirigieren und Partiturspiel
an der Leipziger Musikhochschule.
www.stessin.de

Der Kaiser von Atlantis

Für den jüdischen Komponisten und Arnold-Schönberg-Schüler Viktor Ullmann (1898-1944) war das sagenhafte Atlantis mehr als nur eine Legende. In seiner Oper "Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung", die er 1943 im KZ Theresienstadt schuf, wird Atlantis zur Metapher für Nazi-Deutschland. Der Kaiser von Atlantis ist ein grausamer Herrscher, der seine Untertanen in den Krieg treibt, bis der Tod ihm die Gefolgschaft verweigert. Die geplante Uraufführung im Lager kam nie zustande. Im Herbst 1944 wurden Viktor Ullmann, sein Librettist Peter Kien und ein großer Teil des Theresienstädter Ensembles nach Auschwitz deportiert, bevor die Oper zur Aufführung gelangte.

  • Wo: Kunstkraftwerk, Saalfelder Straße 8 b, 04179 Leipzig
  • Laufzeit: ab 21. Januar 2017
  • Öffnungszeiten: Die - So, 10 bis 18 Uhr
  • Vernissage: Donnerstag, 19. Januar 2017, 19 Uhr, mit Aufführungen von Auszügen aus der Oper „Der Kaiser von Atlantis, oder die Tod-Verweigerung“
  • Eröffnung: Samstag, 21.Januar 2016 ab 10 Uhr, Aufführungen von Auszügen aus der Oper „Der Kaiser von Atlantis, oder die Tod-Verweigerung“ um 15 Uhr und um 16 Uhr
  • Eintritt: 12 Euro/ermäßigt 9 Euro Die Eintrittskarte gilt für den Besuch der Ausstellungen „#SELFIE_LEIPZIG“, „Illusion - Moving Space“, der aktuell gezeigten Immersiven Kunstwerke “Hundertwasser Experience” und “Werk in Progress” von Gianfranco Iannuzzi sowie aller anderen Kunstausstellungen im Kunstkraftwerk!

Jahresausstellung 2017: Illusion # 2 - Moving Space Die Welt in neuem Licht sehen

Vom 21. Januar bis 12. November 2017 verwandeln digitale Landschaften, leuchtende Klangfäden, kinetische Skulpturen, geometrische UV-Lichtgitter und Lichtblitze das Kunstkraftwerk in ein künstlerisch- wissenschaftliches Selbsterfahrungslabor. Stärker noch als „Illusion - Nothing is as it seems“, die eher auf Sinnestäuschung ausgelegt war, zielt die neue Ausstellung darauf, die Grenzen und Widersprüche unserer tradierten Wahrnehmungsgewohnheiten zu erkunden.

„Sie stellt die Unbeständigkeit unseres Gedächtnisses und der menschlichen Wahrnehmung in den Mittelpunkt und will uns mit Hilfe neuer Erfahrungen und Perspektiven die Möglichkeit geben, uns selbst und die Welt um uns herum in einem neuen Licht und mit neugewonnener Sensibilität wahrzunehmen“ erklärt Kuratorin Lavinia D. Freitas. Vor diesem Hintergrund hat sie 14 Werke von Künstlern aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Kroatien, Neuseeland, Polen und Südkorea ausgewählt, die jeweils bestimmte Aspekte der Wahrnehmung der Welt berühren und unsere Vorstellung von Materialität und Räumlichkeit testen.

Der Sternenspiegelraum (star-universcope) des Leipziger Künstlers Holger Schultze erzeugt durch die spezielle Anordnung von Spiegeln mit einem verblüffend kleinen, realen Raum eine unendliche räumliche Wirkung - ein Universum. Das Wisp Kollektiv - ebenfalls aus Leipzig - schafft mittels 360°-Projektion in einem verspiegelten Raum die Illusion einer endlosen digitalen Landschaft. Die Besucher sind eingeladen, diese virtuelle Welt zu betreten und sie durch Gesten und Körperbewegungen zu verändern. Die südkoreanische Künstlerin Jeongmoon Choi spannt UV-Licht reflektierende Fäden zu komplexen geometrischen Gittern im dunklen Raum, das zurückstrahlende Licht der Fäden bewirkt, dass der Raum zu vibrieren beginnt. LAB212 lässt die Besucher leuchtende Fäden anfassen und damit Melodien auslösen.

Deutlich sichtbar wird auch in dieser Ausstellung der Anspruch der Kunstkraftwerksmacher, die enge Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft in den Fokus zu rücken. Die gezeigten Werke basieren auf mathematischen Prinzipien, nutzen physikalische Gesetzmäßigkeiten oder sind in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern entstanden

  • Laufzeit: 21. Januar bis 12. November 2017
  • Vernissage: Donnerstag, 19. Januar 2017, 19 Uhr - gemeinsam mit der Installation „#SELFIE_LEIPZIG“
  • Ort: Kunstkraftwerk Leipzig, Saalfelder Straße 8b, 04179 Leipzig
  • Öffnungszeiten: Die - So, 10 bis 18 Uhr Eintritt: 12 Euro/ermäßigt 9 Euro.

Die Eintrittskarte gilt für den Besuch der Ausstellungen „Illusion #2 Moving Space“, „#SELFIE_LEIPZIG“, der aktuell gezeigten Immersiven Kunstwerke “Hundertwasser Experience” und “Werk in Progress” von Gianfranco Iannuzzi sowie aller anderen Kunstausstellungen im Kunstkraftwerk!

Künstler und ihre Werke

LAB212 (Frankreich)
Cyril Diagne, Béatrice Lartigue PORTÉE Installation, 2014 http://lab212.org
Guillaume Lachapelle (Kanada)
NUIT ÉTOILÉE Installation, 2012 http://www.guillaumelachapelle.com
David Rickard (Neuseeland)
I Video installation and capsule endoscopy pill, 2016 http://www.david-rickard.net/
Ief Spincemaille (Belgien)
REVERSED BLINKING, VIRTUAL GROUND, FEEDBACK Objekte, 2009 - 2011 http://www.iefspincemaille.com
Ben Tyers (Großbritannien)
TRINITY: BREATHE, EQUILIBRIUM, VORTICE Objekte, 2010
Speziell für Moving Space angefertigt:
Jeongmoon Choi (Südkorea)
DRAWING IN SPACE - HORIZON Site-specific installation, 2017 http://www.jeongmoon.de/
Karolina Halatek (Polen)
VALLEY Site-specific installation, 2017 http://www.karolinahalatek.com
Wisp Kollektiv (Deutschland)
Paul Schengber, Felix Deufel, Markus Schuricht, Kenneth Kirschner THE STRANGER WITHIN US Interaktive installation, 2017 http://wisp-kollektiv.de/
Holger Schulze (Deutschland)
STERNENSPIEGELRAUM (STAR-UNIVERSCOPE) Installation, 2017

Kunstkraftwerk Leipzig: Art. Science. Education. Event.

Seit 2012 ist im Westen Leipzigs ein neuartiges innovatives kulturelles Projekt entstanden. Das ehemalige Heizkraftwerk im Stadtteil Lindenau/Plagwitz hat sich seither in eine experimentelle Fabrik, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Kultur, zeitgenössisches Design und Kommunikation verwandelt. Diverse Hallen und Räume im Kunstkraftwerk sorgen dafür, dass auf über 2.000 Quadratmetern Nutzfläche für jeden Anlass der passende Rahmen geschaffen werden kann.Es gibt Raum und Räume für Ausstellungen, Kunstprojekte, Meetings, Multimediashows, Symposien und Workshops. Erlebnisgastronomie, ein kleines Museum und die Vermietung für private Events gehören ebenso zum Konzept wie Konzerte und Theateraufführungen. Das Kunstkraftwerk feiert mit der Ausstellung „ILLUSION. Nothing is as it seems.” am 18. Juni 2016 seine offizielle Eröffnung.

www.kunstkraftwerk-leipzig.de

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