Foto: pixabay.com
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Die Stadt der Bücher

Bis heute ist Leipzig in der bibliophilen Welt, ein wichtiger und zentraler Ort. Die Handels- und Messestadt, im Herzen Mitteldeutschlands, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren in  Herstellung und Verlag von Druckerzeugnissen: ins besondere von Büchern. Von der Einführung des Buchdrucks im Spätmittelalter, bis hin zur Niederlassung von namhaften Verlagshäusern, wie Reclam oder Brockhaus im Industriezeitalter, war das Gewerbe mit dem gedruckten Wort, stets die Lebensader des Handels in Leipzig. Noch heute erinnert die zweit größte Buchmesse Deutschlands, die alljährlich im März, auf dem Gelände der Leipziger Messe statt findet, an diese reiche Tradition. Doch auch in anderen Bereichen des Leipziger Lebens, kann man dem Charme der sogenannten Buchstadt nach spüren.

Die schwarzen Kunst in Leipzig

Als erster, in Leipzig ansässiger Drucker, ist heute der Meister Konrad Kachelofen bekannt, dessen frühstes Druckerzeugnis, lässt sich auf das Jahr 1485 datieren. Nur acht Jahre später, 1493, fand in Leipzig die erste „Buchmesse“ statt, zu der schon auswärtigen Händler anreisten. Einer der bedeutendsten Leipziger Drucker und Verleger der Reformationszeit, war Melchior Lotter, welcher die Druckwerkstatt von Konrad Kachelofen übernommen hatte. Lotter war ein Freund und Befürworter des Reformators Martin Luther und unterstützte den jungen Kirchenmann tatkräftig. In seiner Leipziger Werkstatt druckte er zahlreiche Reformationsschriften Luthers, darunter auch die revolutionären „95 Thesen“. Bei einem Rundgang durch das Leipziger Museum für Druckkunst, wird das Handwerk des Buchdrucks für die Besucher und Besucherinnen, wieder lebendig. Hier riecht es noch nach Druckfarbe und Papier, man kann sich im Setzten von Lettern ausprobieren und eine Zeitreise durch die Technik des Buchdrucks erleben. Vom 28. März bis 4. Oktober 2015 würdigt das Museum, im Rahmen des 1000-jährigen Stadtjubiläums, die vielfältige und bedeutende Geschichte der Leipziger Druckkultur, mit der Sonderausstellung „LEIPZIG beeinDRUCKT“.

Blüten der Wissenschaft und Buchkunst

Wo viel produziert wird, muss man sich auch um die Archivierung kümmern. Mit der Grundsteinlegung zur Leipziger Universitätsbibliothek, schuf Caspar Borner im Jahr 1543, einen Hort der Wissenschaften, der bis heute einen beeindruckenden Schatz an Büchern und Schriften, aus Klöstern des Mittelalters beherbergt. Auch die Deutsche Nationalbibliothek hat, neben Frankfurt am Main, ihren Sitz in Leipzig. Die DNB widmet sich unglaubliche Aufgabe, alle neu erscheinenden Medien in Deutscher Sprache zu sammeln, zu archivieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Leipziger Nationalbibliothek beherbergt außerdem ein Buch- und Schriftmuseum, welches einen Einblick in 5000 Jahre Mediengeschichte der Menschheit bietet. Zur Blütezeit des Buchdrucks, wurde in Leipzig die Hochschule für Grafik und Buchkunst, eine der ältesten Kunsthochschulen Deutschlands, gegründet. Seit mehr als 250 Jahren werden hier Künstler ausgebildet, deren Schaffen eng mit der Druckkunst und Buchgestaltung verwoben ist.

Das Grafische Viertel

Im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierte sich Leipzig als Schnittstelle und Hauptumschlagplatz des deutschsprachigen Buchgewerbes. Das Leipziger Stadtadressbuch aus dem Jahre 1900 verzeichnet mehr als 2.200 Firmen, die am Buchgewerbe beteiligt waren: Darunter 848 Buchhandlungen und Verlage, 189 Druckereien und 201 Buchbindereien. Fast alle diese Betriebe hatten ihren Sitz im sogenannten „Grafischen Viertel“ im östlichen Teil der Leipziger Innenstadt, welches sich vom Hauptbahnhof bis hin zum Bayrischen Bahnhof erstreckte. Hier waren Verlage ansässig, die bis heute namhaft sind, darunter der älteste Musikverlag der Welt „Breitkopf & Härtel“. Von der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, konnte sich das Grafische Viertel nie wieder erholen,   Enteignungen und Misswirtschaft durch die DDR, trugen ebenfalls zum Untergang der ansässigen Betriebe bei.

Schreibkultur und Leselust

Als Lichtblick in der Nachkriegszeit gilt die Gründung des „Deutschen Literaturinstituts Leipzig“. Bis heute begleitet das einzigartige Institut, junge Schreibtalente auf dem Weg zum erfolgreichen Autorendasein. Nach der Wende 1989, siedelten sich wieder Medienschaffende in der Buchstadt Leipzig an. Im Verlagswesen gab es zahlreiche Neugründungen und Neuansiedlungen, wie die des Klett-Verlags, Voland & Quist, Lehmstedt und der Evangelischen Verlagsanstalt. Im Rahmen der Leipziger Buchmesse, entwickelte sich das größte Lesefestival Europas „Leipzig Liest“, welches alljährlich mit einem tollen Programm aus Autorenlesungen und Leseevents, zahlreiche junge und alte Literaturfans in die Buchstadt lockt.

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