Wie die Blockchain Einzug in die Politik erhält

Lange Zeit wurde die Blockchain-Technologie eher belächelt. Spätestens seit Bitcoins historischem Werthoch im Jahr 2017 werden Kryptowährungen jedoch in vielen Wirtschaftsbereichen ernst genommen. Dennoch fehlte lange Zeit ein realer Verwendungszweck der Blockchain, den sich die Gesellschaft zunutze machen hätte können. Die Politik könnte das nun endgültig ändern. Der Parteitag von Volt Europa zeigte, wohin die Reise gehen könnte.

Wahlsystem baut auf Blockchain-App

In Deutschland per App über wichtige Themen abzustimmen, klingt auf den ersten Blick recht unwahrscheinlich, da das Thema Blockchain momentan noch nicht weit genug in den Alltag der deutschen Bevölkerung vorgedrungen ist, um ein solches Wahlsystem im Land effektiv etablieren zu können. Im Hintergrund wird jedoch schon längst an moderneren Alternativen zu Papierzetteln gearbeitet. Dies zeigte auch die Partei Volt Europa, kurz Volt, bei ihrem Bundesparteitag in Leipzig vom 7. bis 8. September auf. Die proeuropäische Bürgerbewegung nutzte nämlich eine dezentrale App (dApp) namens deora, die sie gemeinsam mit der Organisation LeapDAO entwickelte. Die dApp basiert auf der Blockchain-Technologie, die vor allem durch Kryptowährungen wie Bitcoin bekannt wurde. Bitcoin ist zugleich das erste Kryptogeld der Welt, aber auch der erste Nutzer der Blockchain. Noch heute gibt die Währung hinsichtlich der Marktkapitalisierung unter tausenden Coins mit rund 67 % Anteil den Ton an. Bei dieser Technologie handelt es sich um eine ständig erweiterbare Liste an Datensätzen, die in Blockform miteinander verbunden sind.

Da alle Datenblöcke eine eindeutige Identifizierung in Form von Datum und Inhalt mit sich bringen, ist die Blockchain so sicher wie kaum ein anderes System. Tatsächlich wurden bislang noch keine Fälschungen öffentlich. Eine solche Technologie eignet sich logischerweise besonders gut für Wahlen, bei denen vor allem Betrug ein gern gewählter Grund für Verschwörungstheorien darstellt. Fälschungen jeglicher Art waren in Leipzig beim Volt-Parteitag deshalb ausgeschlossen. Stattdessen eignete sich das System perfekt für die internen Abstimmungen. Doch wie sieht es eigentlich auf einer größeren Bühne aus? Lässt sich das Blockchain-Konzept denn beispielsweise auch auf die Bundestagswahl ausweiten?

Eignet sich das Konzept auch für bundesweite Wahlen?

Um das Konzept auch bei größeren Wahlen wie der Bundestagswahl anzuwenden, benötigt es jedoch noch eine deutlich längere Planungszeit. Dies liegt unter anderem daran, dass eine Vielzahl der Deutschen möglichen Veränderungen ihrer Gewohnheiten, sei es die bargeldlose Bezahlung oder aber die Nutzung einer speziellen App bei Wahlen, zunächst äußerst konservativ gegenüberstehen. Somit wird Deutschland bei der Verwendung einer App für größere Wahlen vermutlich keine Vorreiterrolle einnehmen und diese lieber anderen Staaten wie Japan, China oder den skandinavischen Nationen überlassen. In diesen Ländern spielt die Blockchain nämlich schon jetzt eine weitaus größere Rolle im Alltag als in Deutschland.

Eine grundsätzliche Eignung in Hinsicht auf die Nutzung einer Blockchain für Wahlen ist angesichts der bisherigen Erkenntnisse jedoch auf jeden Fall vorhanden. Das Hauptargument für solch einen Einsatz ist die große Sicherheit, die sich durch die Nutzung der Blockchain ergibt. Doch wie würde eine Wahl nun in der Realität funktionieren? Jeder Wähler würde vermutlich einen Token erhalten, der seine Stimme darstellt. Nun müsste für sämtliche Kandidaten eine Wallet eingerichtet werden, die wiederum dem Stimmenkonto entspricht. Der Wähler würde dann ganz einfach seinen Token an die Wallet seiner Wahl senden und dem Kandidaten dadurch eine zusätzliche Stimme geben.

Das Problem des Einsatzes solch eines Systems ist im Endeffekt nicht die Manipulation hinsichtlich der sehr sicheren Technik selbst, vielmehr aber geht es um die Stimmabgabe in den eigenen vier Wänden. Schon jetzt kritisieren Experten, dass es zum Beispiel bereits per Briefwahl nicht nachvollziehbar sei, wer die Stimme tatsächlich abgegeben hat. In den letzten Jahren stieg die Anzahl der Briefwähler stark an und ein noch stärkerer Trend wäre per Blockchain-Wahl in die digitale Richtung zu erwarten. Doch egal, ob in Leipzig oder einer anderen deutschen Stadt: Es sind immer die kleinen ersten Schritte, wie Volt Europas Wahl per App, die unternommen werden müssen, um größere Veränderung herbeizuführen. In welcher Art und Weise diese Schritte die Politik wohl in Zukunft formen werden?

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