Der Camping-Boom hält an

Einen Urlaub im Wohnmobil oder Wohnanhänger können sich auch immer mehr jüngere Leute und Neulinge im Bereich Camping vorstellen. Hier gibt es enormen Zuwachs bei den Zulassungsraten. 2020 gab es 78.055 Neuzulassungen bei Wohnmobilen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von fast 45 Prozent, so die Zahlen des Caravaning Industrie Verbands, kurz CIVD. Bei den detaillierten Auswertungen stellte der Verband fest, dass innerhalb des Kalenderjahres mehr als 100.000 Reisemobile und Caravans neu zugelassen wurden. Das ist ein Zuwachs von mehr als 32 Prozent. Der Zuwachs bei den Wohnwagen war mit 8,2 Prozent etwas geringer. Die wichtigste Käufergruppe der Familien hatte sich im Frühjahr etwas zurückgehalten.

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Der Boom geht weiter

Für 2021 erwartet der Verband ebenfalls eine hohe Nachfrage. Viele Käufer haben ihr Fahrzeug schon bestellt, das sie im Frühjahr neu zulassen möchten. Individuelles Reisen ist in diesem Jahr besonders beliebt. Prognosen sind für das Jahr 2021 nicht ganz so einfach, doch der Verband erwartet eine positive Fortsetzung des Trends und ein Wachstum von etwa zehn Prozent bei den Freizeitfahrzeugen. Bei den Wohnmobilen fallen die Prognosen mit zwölf Prozent sogar noch etwas positiver aus.

Nachfrage nach Campingplätzen ebenfalls stark gestiegen

Der Trend für den Camping-Urlaub hat sich in diesem Jahr weiter verstärkt. Der Vorteil beim Camping ist die weitgehende Unabhängigkeit in den eigenen vier Wänden. Viele Wohnmobile und Wohnanhänger sind mit eigenem Sanitärbereich ausgestattet, sodass die Urlauber sich selbst versorgen können. Es ist ganz einfach möglich, an einen anderen Standort zu wechseln. Der Fokus dabei liegt auf nahe gelegenen Zielen in Deutschland. Bei vielen Campingplätzen sind mittlerweile Onlinebuchungen möglich, sodass sich jeder seinen Wunschplatz schon vorher sichern kann. Wichtig dabei ist, auf faire Storno- und Nutzungsbedingungen zu achten. Es gibt auch attraktive Campingplätze, die nicht direkt am Seeufer liegen, aber wesentlich besser verfügbar sind. Auch Camping in Italien ist hier eine Option.

Der Trend zum Deutschland-Tourismus lässt die Nachfrage nach Stellplätzen ansteigen

Die hohe Anzahl an Neuzulassungen und der Trend in Deutschland zu bleiben, lassen die Nachfrage nach Stellplätze für Reisemobile ebenfalls ansteigen. Die Kommunen und Landkreise sind hier gefordert, weitere Stellplätze zu schaffen. Dabei sind Wohnmobilstellplätze lange nicht so gut ausgestattet wie Campingplätze allgemein. Der Camper hat ja alles dabei und braucht den Stellplatz in erster Linie als reinen Übernachtungsplatz. Der Trend geht zu eher versteckten Stellplätzen, auf denen die Camper für sich sein können.

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Junge Camper bevorzugen Vans und kleine Kastenwagen

Die jüngere Zielgruppe interessiert sich sehr für das Camping. Gerade junge Leute von Mitte 20 bis Mitte 30, die sogenannten Millenials, sind sehr interessiert an Campingurlaub. Viele Camper im Jahr 2020 waren Einsteiger, die sich zum ersten Mal auf das Abenteuer Camping eingelassen haben. Für sie ist es wichtig, dass die Fahrzeuge nicht nur kompakt, sondern vor allem alltagstauglich sind, ohne dabei auf den autarken Campingurlaub zu verzichten. Bei den Wohnmobil-Neuzulassungen sind Kastenwagen und Vans die Spitzenreiter mit einem Anteil von fast 50 Prozent.

Dachzelt und Aufstelldach sind im Kommen

Die kompakten Modelle sind vor allem für Einsteiger und jüngere Camper interessant. Ein Trend steht dabei im Vordergrund: das Aufstelldach. Damit ergibt sich ein zusätzlicher Schlafplatz. Die Ausstattung der Wohnmobile insgesamt ist eher einfach. Das Innenleben teilweise sogar etwas beengt. Dafür lassen sich die Fahrzeuge auch im öffentlichen Verkehrsraum gut bewegen und es findet sich immer ein Platz im öffentlichen Parkraum. In vielen Städten sind große Wohnmobile in den letzten Jahren etwas in Verruf geraten, weil sie im Winter im städtischen Umfeld negativ aufgefallen sind.
Kompakte Wohnmobile mit Aufstelldach sind ein Trend. Ein weiterer Trend, der hilft Platz zu schaffen, sind sogenannte Dachzelte. Mehr als 50 Hersteller haben in Deutschland solche Zelte auf dem Markt. Sie lassen sich einfach auf dem Fahrzeugdach montieren. Dabei gibt es einfache, aufblasbare Modelle, die auch sehr preisgünstig sind und Premiummodelle die gleich mehrere Tausend Euro kosten.

Smarte Wohnmobile und alternative Antriebe sind die Techniken der Zukunft

Die meisten Wohnmobile sind noch immer Dieselfahrzeuge. Alternative Antriebsmöglichkeiten sind bei Campingfahrzeugen ein eher langfristiges Thema. Noch ist die Nachfrage sehr gering. Ein großes Hindernis ist die geringe Reichweite der Fahrzeuge, die noch nicht richtig ausgebaute Ladeinfrastruktur, das zusätzliche Gewicht und der höhere Preis. Das wird sich in den kommenden Jahren allerdings ändern. VW baut den vollelektrischen VW Bulli ID Buzz. Auf den Campingplätzen ist diesbezüglich auch einiges in Bewegung geraten. Die Betreiber fangen an, Ladesäulen zu schaffen.
Digital vernetzte smarte Wohnmobile sind ein anhaltender Trend, wie sich in den letzten Jahren auf den Branchenmessen gezeigt hat. Mit smarter Technologie können Urlauber vom Strand aus die Klimaanlage im Fahrzeug mit ihrem Smartphone einschalten. Wenn sie dann an ihr Fahrzeug kommen, ist es innen wohltemperiert. Per App informieren die Fahrzeuge auch über den Zustand der Batterieladung oder den Füllstand der Gasflasche. Die großen Hersteller haben in Bezug auf die Konnektivität schon einiges zu bieten. Die smarte Wohnraumsteuerung funktioniert im Nahbereich via Bluetooth. Viele Funktionen lassen sich auch bereits aus der Ferne steuern.

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