Casino-Regulierung 2021: Was Spieler und Casinobetreiber zu erwarten haben

Im kommenden Sommer tritt der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft. Bekannt ist schon, dass er nun endlich das Online-Glücksspiel behandelt und somit auf eine legale Stufe stellt. Der Casino- und Sportwettenbereich des Internets soll grundlegend geregelt werden. Doch was bedeutet das für Anbieter und Spieler? Müssen sie sich auf große Änderungen einstellen oder läuft – gerade aus Spielersicht – doch alles weiter, wie gehabt? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Die Regulierung im neuen Glücksspielstaatsvertrag

Das wichtigste Element des gesamten Glücksspielstaatsvertrags ist, dass das Online-Glücksspiel aus der Grauzone hinein in die Legalität gerückt wird. Endlich gibt es verbindliche und klare Regeln und die Chance für An bieter, sich in Deutschland um eine Lizenz zu bewerben. Diese wird zudem deutschlandweit vergeben, sodass dieses Chaos, welches durch den Schleswig-Holsteiner Sonderweg entstand, aufgelöst wird. Allgemein gilt:

  • Glücksspielbehörde – eine eigene Behörde wird rein für das Glücksspiel geschaffen. Die Behörde soll die Lizenzierung, die Kontrolle, die Einzahlungslimits und die Sperrlisten verwalten. Ob diese Behörde auch für das örtliche Glücksspiel zuständig ist, ist offen.
  • Lizenzierung – aktuell ist bereits eine Übergangsregelung in Kraft, die es den Anbietern erlaubt legal tätig zu sein, die bis September die Bewerbungsunterlagen bereitgestellt hatten. Künftig können Casino-Anbieter oder Online-Buchmacher einen Antrag auf die Erteilung einer Lizenz stellen. Diese ist dann deutschlandweit gültig und würde in diesem Fall die EU-Lizenz aus Malta ersetzen (aus deutscher Sicht, im Ausland wäre sie gegebenenfalls weiter notwendig).
  • Einzahlungen – sie sollen reglementiert werden, damit die Spielsucht unterbunden wird. Je Spieler gilt ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Wieder eingesetzte Gewinne zählen wohl nicht dazu. Unsicher ist, wie sich das Limit zusammensetzt: Nur Casino, nur Sportwetten? Beides gemeinsam? Und auch in Kombination mit dem staatlichen Lottospiel?
  • Spielerkonto – jeder Spieler muss ein eigenes Spielerkonto eröffnen. Das ist praktisch der Super-Account, unter dem alle Sportwetten- und Casinoregistrierungen zusammengefasst werden. Über dieses Spielerkonto soll auch das Einzahlungslimit kontrolliert werden.
  • Sperrdatei – sie gibt es für jedes Bundesland bereits im örtlichen Spielbereich. Künftig soll sich jeder Spieler auf diese Liste setzen lassen können und somit keinen Zugriff mehr auf Online-Glücksspiele haben. Anbieter hingegen sind dazu angewiesen, auffällige Spieler gleichermaßen zu sperren.

Für den Buchmacherbereich könnte noch eine weitere Regelung kommen: die Einschränkung der Live-Wetten. Ob diese komplett abgeschafft oder nur eingeschränkt werden, ist offen.

Was müssen Spieler künftig beachten?

Für Spieler ist die Lizenz natürlich sehr wichtig. Künftig sollte schon darauf geschaut werden, dass eine deutsche Lizenz vorhanden ist, denn diese Casinos werden in Deutschland überwacht. Aktuell ist davon auszugehen, dass auch all die Anbieter, die bislang in Schleswig-Holstein registriert sind, bald eine bundeseinheitliche Lizenz erhalten. Ansonsten gilt:

  • Spielerkonto – noch ist nicht genau sicher, wie es sich damit verhält. Datenschutzbeauftragte schlagen Alarm, denn die Meldung, Überwachung und die Zusammenführung aller Casinoanmeldungen in einem Account greifen stark in die Privatsphäre mit ein.
  • Einschränkungen – das Einsatzlimit trifft natürlich insbesondere die Profispieler. Wer als Profi pokert, der kommt mit einem Einsatz von 1.000 Euro meist nicht weit. Für Gelegenheitsspieler dürfte das Einsatzlimit natürlich kein Problem sein. Schwieriger wird es für Spieler, die Casino und Sportwetten miteinander verbinden. Auch in dieser Beziehung lässt sich das Einsatzlimit schnell erreichen.

Für den Spieler selbst ändert sich vergleichsweise wenig. Das aktuelle Angebot wird wohl auch das in der Zukunft sein, auch das Spielgeschehen dürfte sich nicht großartig verändern. Da viele der jetzigen Online-Anbieter schon in Schleswig-Holstein lizenziert sind und zugleich mit der EU-Lizenz arbeiten, brauchen die meisten Spieler auch nicht zu fürchten, bald ihr Casino nicht mehr erreichen zu können. Es gibt lediglich bald noch mehr vollkommen seriöse Anbieter in Deutschland ab 2021.

Wie wirkt sich das Ganze auf die Online-Casinobetreiber aus?

Die Anbieter begrüßen die neue Regelung. Fakt ist, dass das Online-Glücksspiel bislang in einer Grauzone liegt, die zwar für Spieler keinerlei Risiken, dafür aber für die Anbieter bereithält. Auch sind Netzsperren, wie sie in der Schweiz durchgeführt werden, vom Tisch. Casinobetreiber erhalten also endlich eine rechtliche Sicherheit, die das ohnehin sehr gern angenommene Angebot auf feste Füße stellt. Dennoch:

  • Steuern – natürlich geht mit der Regelung auch die Zahlung von Steuern einher. Die Lizenz erlaubt den Spielbetrieb in Deutschland, das Unternehmen wird natürlich dann nach den geltenden Regelungen besteuert.
  • Chancen – gut möglich, dass sich kleinere Anbieter künftig durchsetzen können. Die Lizenz ist ein Markenzeichen. Solche Anbieter könnten sogar für alle Seiten zu einem positiven Merkmal werden: Ein Casino schafft durch den Servicebereich Arbeitsplätze, es kann aber auch in eher abgelegenen Regionen liegen, denn das eigentliche Geschäft findet online statt.
  • Problem – heikel könnten die Regelungen rund um das Einzahlungslimit sein, sofern hier doch noch die Gewinne mitgezählt werden. Besonders hart könnte es die Online-Buchmacher treffen: Werden die Live-Wetten verboten oder massiv eingeschränkt, werden sich Wettfreunde an nicht lizenzierte Anbieter wenden.
  • Gleichheit – jedes lizenzierte Online-Angebot in Deutschland wird künftig nach denselben Regeln spielen. Dies bekräftigt die Chancen kleiner oder neuer Anbieter, sichert aber auch die Großen der Branche ab.
  • Werbung – die Glücksspielwerbung wird massiv eingeschränkt, was sich wiederum negativ auswirken könnte. Das letzte Wort ist diesbezüglich jedoch noch nicht gesprochen.

Aktuell dürfen sich einige Online-Casinos schon ganz legal auf dem deutschen Markt bewegen. Die Übergangsregelung erlaubt die Spieltätigkeit schon vor dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags. Jedoch sind dies auch die Anbieter, die ohnehin schon bestens auf eine Lizenzierung vorbereitet und eingestellt waren. Neue, vollständig unbekannte Anbieter betrifft diese Regelung nicht.

Fazit – die Regulierung ist eine gute Sache

Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag wird eine feste Sicherheit geschaffen, die es erlaubt, in Deutschland eine Lizenz zu erhalten. Eine Lizenz bedeutet auch immer Kontrolle, was wiederum Spielern eine größere Sicherheit bietet. Das letzte Wort in der Regulierung ist allerdings noch nicht gesprochen, denn nun müssen die Bundesländer noch eigene Formen des Staatsvertrags verfassen. Auch gibt es noch Unklarheiten bezüglich der Werbung, dem Spielerkonto, dem Datenschutz – und zuletzt die Anmerkungen der regionalen Betreiber, die bislang nicht erhört wurden.

Trotz aller Unklarheiten wird der Glücksspielstaatsvertrag im Juli 2021 kommen und Spielern und Betreibern endlich den korrekten rechtlichen Rahmen geben, der aus heutiger Sicht längst überfällig ist.

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