Die “Tiefe der Zeit” vom 2.06.2010 um 23:39 Uhr mit 2 Kommentaren

Im Jahre 1650 berechnete James Ussher, Erzbischof von Armagh, aus den in der Bibel enthaltenen Informationen das Alter der Erde. Seine zweifellos sorgsame Berechnung hatte das Ergebnis, dass die Erde am Montag, den 26. Oktober im Jahr 4004 vor Christus um 9 Uhr morgens erschaffen wurde. Dieses Datum für die Geburtsstunde der Erde wurde in den englischen Bibeln noch bis in das frühe 19. Jahrhundert abgedruckt. Die Erde hatte also keine allzu lange Geschichte. Sie war von Gott erschaffen und seit dieser Zeit auch nicht wirklich gealtert. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts begann man, an der Jahrhunderte gültigen Doktrin der jungen Erde zu zweifeln. Ein mutiger Abweichler war der französische Naturhistoriker Georges Buffon (1707-1788). Er schlug vor, die sieben Schöpfungstage als Metapher zu sehen und unterteilte die Erdgeschichte in sieben wesentlich längere Epochen. Er traute sich zu seinen Lebzeiten allerdings nie, seine wahre Meinung zu veröffentlichen. Doch nach seinem Tod fand man in seinen Notizen Schätzungen für das Alter der Erde von mehreren Milliarden Jahren.

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In der Dauphiné hat der Frühling gerade erst begonnen. Der letzte Winter war besonders lang, kalt und schneereich.

Ich finde es nicht besonders verwunderlich, dass erst der Blick auf die Berge endgültige Klarheit in die Diskussion brachte. Und vor allem die nötigen Beweise für das ungeheuerliche Alter unseres Planeten. Ein begeisterter Bergwanderer, der Schotte James Hutton (1726-1797), stellte die These auf, dass die augenscheinliche Dauerhaftigkeit von Bergen eine Illusion ist. Sie ist nichts anderes als die Folge unserer verschwindend kurzen Lebensdauer. Mit dem Erscheinen seines Hauptwerkes “Theory of the Earth” begründete er unter anderen die moderne Geologie. Wenn wir Millionen von Jahren leben würden, könnten wir Zeuge sein, wie gewaltige Berge durch die Erosion völlig abgetragen und als Sedimente auf dem Meeresgrund abgelagert werden. Und abermals Jahrmillionen später, würden wir erleben, wie durch den Zusammenprall der Kontinentalplatten wieder neue Gebirge entstehen. Wenn dem nicht so wäre, wie könnte man sonst erklären, dass in den höchsten Gipfeln des Himalaja Muscheln und Korallen zu finden sind?

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Wenn ich irgend etwas fotografieren will, überbrückt Fabian die Wartezeit mühelos mit Kurznachrichten.

Die Berge hatten aufgehört, Sinnbild für die Ewigkeit zu sein. Diese Erkenntnis veränderte nicht zu letzt sehr nachhaltig das Verhältnis zu unserer eigenen Existenz. Plötzlich war unsere Lebenszeit nichts anderes mehr als ein mikroskopisch kleiner Punkt auf der “unendlichen Achse der Zeit”. Für mich ist die Versinnbildlichung dessen so ein Menschlein in einer grossen Wand wie im letzten Foto der vorigen News. Man kann es albern finden oder sentimental, aber mich treibt dieser Gedanke an unsere Kleinheit und Verletzlichkeit jedesmal um, wenn ich in den Bergen bin. Wie vergänglich bin ich doch, wenn selbst ein riesiger Fels durch den Zahn der Zeit irgendwann zu Staub zerfällt!

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Ein Stand mit zwei schräg übereinander angeordneten Bohrhaken. Ein solcher Stand lässt keine Wünsche offen. In den unteren wird ein Schraubkarabiner eingehängt. In diesen wird die Selbstsicherung und die Sicherung für den Nachsteiger eingehängt. Den oberen Bohrhaken verbinden wir mit einem Seilstück mit dem unteren, an dem ja die Last hängt. Das nennt man Reihenschaltung. Wenn der untere Bohrhaken ausbrechen sollte, überträgt sich die Last auf den oberen. Wir klettern übrigens mit zwei Halbseilen.

Gestern und vorgestern sind wir zwei weitere Routen geklettert, beide 13 Seillängen im 6. und 7. Grad. Morgen geht es für zwei Tage ins Eis. Wir wollen auf den höchsten Berg der Dauphiné steigen, den 4102 Meter hohen Barre des Ecrins. Ich bin sehr gespannt auf diese Tour, denn hier herrscht in den grösseren Höhen noch tiefster Winter. Wir bräuchten eigentlich Ski, die wir aber leider nicht haben. Deshalb sind wir gar nicht sicher, ob unser Ziel zu Fuss bei den Schneemassen überhaupt erreichbar sein wird, zumal die Lawinengefahr hier immer noch eine beachtliche Rolle spielt. In drei Tagen wissen wir hoffentlich alle mehr.

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Fabian im Nachstieg in der Marche au supplice (ED-, 400 m, 7+ max.) Feinste Reibungkletterei im 7 Grad. Hier heisst es Druck auf die Füsse bringen!

2 Kommentare zu “Die “Tiefe der Zeit””

  1. Veronica sagt:

    Hallo Olaf,
    wo hast du immer diese interresanten Geschichten her so wie dieses Mal über das Alter unserer Mutter Erde??
    Hier scheint endlich die Sonne, bei euch hoffentlich auch!!
    Viele Grüße
    Veronica